Neue Wege mit einer alten Technik

 

Die Bezeichnung „lampengeblasenes Glas“ beschreibt seit historischen Zeiten das Formen von Glasstäben und Glasröhren an einer gerichteten Flamme. Heute wird die traditionelle Arbeitsweise mit dem Tischbrenner abgelöst von neuen Techniken. Die entstehenden Kunstwerke erobern sich lange Zeit nicht für möglich gehaltene Formate. Inzwischen ist Lampenglas eine anerkannte Disziplin nicht nur im Bereich des Studioglases, sondern in der bildenden Kunst. Das Buch „Kunst aus der Flamme - Zeitgenössisches Lampenglas in Europa“ möchte einen umfassenden Überblick über die aktuelle Lampenglaskunst in Europa und die wichtigsten zeitgenössischen Künstler geben, die im Lampenglas entscheidende Akzente setzen. Unter diesem Aspekt möchten die Autoren einen Lückenschluss in der Literatur wagen.

 

Bernd Weinmayer: "Technorama Quallen", 2006.Foto: Ed Kirshner
Bernd Weinmayer: "Technorama Quallen", 2006.Foto: Ed Kirshner

 

 

 

 

"Dass sich die Autoren der mühevollen Aufgabe unterzogen haben, eine erste Zusammenfassung über die noch immer stiefmütterlich behandelte Lampenglasszene in der Alten Welt vorzulegen, ist höchst verdienstvoll und nötigt einem Respekt ab." 

Clementine Schack von Wittenau

(im Vorwort des Buches)

Junge Kunst mit viel Geschichte

Albrecht Greiner-Mai: Zwei Bechervasen und eine Stangenvase, 1986.Foto: Archiv Museum für Glaskunst Lauscha
Albrecht Greiner-Mai: Zwei Bechervasen und eine Stangenvase, 1986.Foto: Archiv Museum für Glaskunst Lauscha

 

Ein spannender Blick in die Geschichte macht deutlich, wie das Lampenglas von der familiären Heimarbeit über die Kunstglasbläserei zur heute künstlerischen Glasgestaltung avanciert. Als eines der Zentren der Lampenglasarbeit in Europa und Ursprung vieler technischer Entwicklungen macht sich die thüringische Kleinstadt Lauscha einen Namen. Auf den Spuren der künstlerischen Impulse von Albin Schaedel entwickeln Künstler wie Walter Bäz-Dölle, Albrecht Greiner-Mai, Günter Knye und Kurt Wallstab in ihren Gefäßobjekten eine charakteristische Formensprache. Die 1980er-Jahre sind geprägt von technischen Experimenten, wie sie Rosemarie Lierke oder Theodor Sellner wagen. Die polnische Künstlerin Anna Skibska bereitet mit ihren großformatigen Werken aus Klarglasfäden in den 90er-Jahren den Weg für Installationen in Lampenglastechnik.

 

Mit Technik und Konzept zum persönlichen Ausdruck

David Willis: "Rainy day dream away", 2010. Foto: David Willis
David Willis: "Rainy day dream away", 2010. Foto: David Willis

 

Seit den 1990er-Jahren gewinnt die Glasbearbeitung mit dem Gasbrenner als künstlerische Arbeitstechnik und als Ausdrucksmittel auch in Europa an Beachtung. Innerhalb der Studioglasbewegung verdrängen lampengeblasene Arbeiten immer stärker die ursprünglich vorherrschende Arbeitsweise mit dem Studioglasofen. Die Spannweite heutiger Lampenarbeit ist gewaltig. Sie reicht von so kleinformatigen Werken wie den aus farbigen Soda-Gläsern gefertigten Insekten nach der Natur von Falk Bauer (Lauscha) bis hin zu raumhohen Installationen aus klarem Borosilikatglas, wie sie zum Beispiel David Willis (Portland, USA) entwirft. Mit einem Blick auf die unterschiedlichen Arbeitstechniken und die individuellen Konzepte wird anhand charakteristischer Beispiele erläutert, wie Künstler zu ihrem persönlichen Ausdruck finden.

 

Zwölf Künstler im Portrait

Jörg Hanowski: "Energie 1B", 2012. Foto:Angelika Pietsch
Jörg Hanowski: "Energie 1B", 2012. Foto:Angelika Pietsch

 

Zeitgenössisches Lampenglas soll in diesem Buch vor allem aus den ausgewählten Arbeiten für sich sprechen. In zwölf Portraits stellt der aufwändige Bildband ausgezeichnete Künstlerinnen und Künstler mit jeweils ganz unterschiedlichen künstlerischen Handschriften vor. Lernen Sie das Werk kennen von: Lucio Bubacco, John Zinner, Cesare Toffolo, James Lethbridge, Hermann Ritterswürden, Anne Claude Jeitz & Alain Calliste, Nadja Recknagel, Susan Liebold, Katharina Kleinfeld, Jörg Hanowski, Julia Malle und Bernd Weinmayer.

 

"Dass diese Ausführungen für Laien verständlich sind und dennoch den Kenner keineswegs langweilen, ist nur ein Vorzug des Buches. Ein anderer ist der Anspruch, neben dem theoretischen Hintergrund die wichtigsten zeitgenössischen Vertreter mit ihren Ansätzen und Werken vorzustellen."

 

Freies Wort Suhl, 5. 4. 2014

Große Kunst im kleinen Format

Michaela Köppl: "Little Blaze of Colour".
Michaela Köppl: "Little Blaze of Colour".

 

Glasperlen haben eine lange historische Tradition und freuen sich heute großer Beliebtheit als Schmuck. Mit der Gestaltung künstlerisch anspruchsvoller Perlen setzen europäische Beadmaker einen Kontrapunkt zur industriellen Massenware. Die gegenwärtigen Tendenzen der europäischen Perlen-Kunst sind im Werk der 18 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern repräsentiert: Helga Seimel, Davide Penso, Nicole Zumkeller & Eric Seydoux, Diana East, Michaela Köppl, Michi Suzuki, Julie Anne Denton, Michaela Möller, Anita und Elias Schwegler-Juen, Astrid Riedel, Anastasia, Carla die Francesco, Claudia Trimbur-Pagel, Manuela Wutschke, Melanie Moertel, Amanda Muddimer.

 

Kunst von heute und Kunst mit Zukunft

Anne Claude Jeitz & Alain Calliste: "Baiser", 2013.
Anne Claude Jeitz & Alain Calliste: "Baiser", 2013.

 

Die Protagonisten der heutigen Lampenglaskunst suchen neue Herausforderungen jenseits der ihnen früher zugewiesenen Nische. Alte Handwerkstraditionen und in der Ausbildung gelernte Grundsätze werden über Bord geworfen. Voller Experimentierfreude entstehen spannungsreiche Werke in Mischtechniken, wie hier eine Kombination von Glas und Druck von Anne Claude Jeitz & Alain Calliste. Im Cross-Over mit anderen Glasdisziplinen nutzen Künstler Lampenglas für spezielle formale Anforderungen und erweitern mit der Glasbearbeitung an der Flamme ihre künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten. Unter dem Motto „think big!“ erobern sich die Künstler neue Dimensionen. Sie fühlen sich nicht mehr gebunden an die kleine Glasbläserstube und arbeiten vor Ort in Ausstellungsräumen oder in der Natur. Der Dialog mit dem Publikum wird gesucht. Mit Werken unter anderem von Krista Israel, Richard Meitner oder Carrie Fertig wird deutlich, wie Lampenglas neue Wege geht.

Heidi Schmitt (geb. Höhn)

 

Infos zum Buch:

Heidi Höhn, André Gutgesell (Hrsg.): „Kunst aus der Flamme –Zeitgenössisches Lampenglas in Europa“, Coburg 2014, 140 Seiten, 95 Farbfotos, ISBN 978-3-00-044964-2, 19,95 €.

Vorwort: Clementine Schack von Wittenau. Texte von: Heidi Höhn, André Gutgesell, Elias Schwegler-Juen.

Das Buch ist weiterhin im Buchhandel erhältlich.

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